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Auszüge aus den politischen und wirtschaftlichen Nachrichten der türkischen Presse  

29.12.2006
  • „FÄDEN ZWISCHEN TÜRKEI UND EU KÖNNTEN REISSEN“
  • UNTERSTÜTZUNG VON KARAMANLIS
  • EXPORTZIEL IN 3 JAHREN: 125 MRD DOLLAR
  • „UND NUN EXPORTIEREN WIR AUTOS IN DIE USA“
  • KULTURSTADT ISTANBUL
  • KOMMENTAR DES TAGES
  • DIALOG ERFORDERT MÜHE



  • „FÄDEN ZWISCHEN TÜRKEI UND EU KÖNNTEN REISSEN“

    Der Nationale Sicherheitsrat tagte gestern zum letzten Mal für dieses Jahr unter der Leitung des Staatspräsidenten Ahmet Necdet Sezer. Der Sicherheitsrat teilte mit, dass man im EU-Beitrittsprozess der Türkei keine Kriterien und Methoden vorschreiben dürfe, die für die anderen Länder nicht vorgesehen sind. Nach der etwa fünfstündigen Sitzung wurde erklärt, dass die Beziehung der Türkei zur EU abgebrochen werden könne, im Fall, dass die Union gegen die Türkei doppelten Standard anwende. (Milliyet)

    UNTERSTÜTZUNG VON KARAMANLIS

    Der griechische Ministerpräsident Kostas Karamanlis erklärte gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“: „Wir unterstützen die Europaperspektive der Türkei. Dafür gibt es überzeugende Gründe. Eine sich europäisierende Türkei würde allen Nutzen bringen, ihrem eigenen Volk, ihren Nachbarn und der EU.“

    „Wenn die Türkei ihre Verpflichtungen gegenüber der EU erfüllt, darf am Ende der Verhandlungen nichts anderes stehen als die Mitgliedschaft. Ich betone dies, denn einige Kreise in der Union geben verwirrende Erklärungen darüber, was geschehen wird, wenn die Türkei eines Tages sämtliche Kriterien erfüllt haben wird.“

    Auf die Frage, ob die Aussetzung der 8 Kapitel für die Türkei als eine Belohnung bewertet werden könne, antwortete der griechische Ministerpräsident: „Das ist keine Belohnung. Die Türkei steht unter Kontrolle.“ (Milliyet)

    EXPORTZIEL IN 3 JAHREN: 125 MRD DOLLAR

    Die Vorbereitungen des strategischen Planes für den Export seien nun fertig gestellt, sagte Staatsminister Kürþad Tüzmen. Laut diesem Plan ist das Ziel beim Export in den nächsten 3 Jahren 125 Mrd Dollar. Damit werde der Anteil der Türkei am Weltexport auf 1.2 % steigen, sagte Tüzmen.

    Tüzmen, der in Ankara eine Pressekonferenz veranstaltete, erklärte, dass der Export in der Zeit vom 1. Januar – 26. Dezember dieses Jahres im Vergleich zum selben Zeitraum letzten Jahres um 17.1 % auf 84.3 Mrd Dollar gestiegen sei. Also in 12 Monaten habe man im Export nahezu 85 Mrd Dollar Gewinn gemacht, das geplante Ziel von 79 Mrd Dollar habe man bereits nach 11 Monaten erreicht. (Türkiye)

    „UND NUN EXPORTIEREN WIR AUTOS IN DIE USA“

    Ford Otosan bereitet sich auf den ersten Fahrzeug-Export der Türkei nach Amerika, dem Herz der Automobilindustrie, vor.

    Der ‚Transit Connect’, der in der Welt einzig und allein in den Produktionsanlagen von Ford Otosan in Kocaeli hergestellt wird, wird ab 2007 auch auf dem US-Markt verkauft werden.

    Der Automobilsektor erreicht bis zum Jahresende im Export eine Summe von 14 Mrd Dollar. (Hürriyet)

    KULTURSTADT ISTANBUL

    Als erste Auswirkung dessen, dass Istanbul im Jahre 2010 europäische Kulturhauptstadt sein wird, ist das in Auftrag gegebene Buch von Tuna Köprülü, mit Teilnahme des Oberbürgermeisters der Stadt Istanbul, Kadir Topbaþ, der Konsule verschiedener Länder und auserwählter geladener Gäste in der Villa von Said Halim Paþa vorgestellt worden.

    Das Buch unter dem Titel ‚Kulturhauptstadt Istanbul / The Capital of Culture’ mit 264 Seiten erschien in Türkisch und Englisch. Das Buch, das sich auf 2 Hauptperioden konzentriert, beginnt mit der Darstellung von Werken, die in Istanbul in der Zeit des römischen und byzantinischen Reiches (627 v.Chr. – 1453 n.Chr.) beschrieben werden. Der Abschnitt, in dem osmanische Werke beschrieben werden, ist in 10 Hauptkapitel untergliedert. (Türkiye)

    KOMMENTAR DES TAGES

    DIALOG ERFORDERT MÜHE

    Wir diskutierten über die Harmonie mit der Europäischen Union, aber nicht über die Harmonie in unserem eigenen Land.

    Wir konzentrierten uns auf den Kampf gegen den Terror, aber nicht auf das, was wir für den Frieden getan haben.

    Wir haben jenen zugehört, die ihre Stimme gegen die Gewalt erhoben, aber nicht jenen, die Sorgen hatten.

    Die „Zivile Dialog-Plattform“ macht genau das, was bisher nicht gemacht wurde. Diese Plattform besteht aus kurdischen und türkischen Intellektuellen.

    Kurden und Türken müssen beide an den Sorgen teilhaben, um auch gemeinsam am Stolz teilhaben zu können.

    Diese Gruppe, die sich vorgestern der Presse vorstellte, arbeitet seit zwei Jahren gemeinsam.

    Laut den Worten des Gründers dieser Plattform, Ümit Fýrat, sei diese Gruppe durch Zusammenkommen der Menschen außerhalb der Gefecht- und Lynchkultur gebildet worden.

    Oya Baydar, einer der führenden Persönlichkeiten der Initiative erklärte ihren Zweck: „Es steht fest, dass wir mit Worten wie ‚Jeder Türke wird als Soldat geboren, jeder Kurde als Guerilla’ nichts erreichen. Wir versuchen, zur Milderung der Probleme beizutragen.“

    „Wir laden jeden, der in Freiheit und Sicherheit leben will, dazu ein, über die Gründe der Gewalt nachzudenken und sich mit dem, was geleistet und nicht geleistet worden ist, ehrlich zu konfrontieren“, hieß es in der Erklärung der Gruppe.

    Was wir in dieser Zeit dringend brauchen, ist diese Plattform, auf der wir die Probleme und Lösungswege gemeinsam diskutieren können.

    Was kann der türkisch-kurdische Dialog als Stimme der zivilen Gesellschaft tun? Meiner Meinung nach sehr Vieles.

    Vor allem kann er gewährleisten, dass dieses Thema wieder auf die Tagesordnung der politischen Parteien kommt.

    Vielleicht kann er die Leichtfertigkeit der Politik, das Problem auf den „Terror“ zu begrenzen und dem Militär zu zuweisen - der kürzeste Weg, um sich von dem Problem zu befreien – umwandeln.

    Vielleicht kann er veranlassen, auf diese Frage eine Antwort zu finden.

    Welche Partei hat eine Politik bezüglich des Kurdenproblems? Wir wissen nicht, wer in Themen wie Armut, Gleichberechtigung, demokratische Forderungen, was zu sagen hat.

    „Zuerst muss die PKK die Waffen niederlegen. Erst dann können wir uns mit euch befassen“, kann man so etwas sagen?

    Das Anhören der Sorgen von Menschen und der Versuch, ihre Ängste zu verstehen, kann an keine Vorbedingung geknüpft werden.

    Die Lösung des kurdischen Problems, die Beseitigung der Armut in dem Gebiet und der Kampf gegen Diskriminierung sollte bedingungslos auf dem Programm jeder Partei stehen.

    Umgekehrt, nämlich zu sagen „erst die PKK“, würde das nicht bedeuten, die Integrität der Türkei, die Harmonie, die Ruhe unter die Hypothek der PKK zu stellen?

    Man sollte Diskriminierung nicht unterschätzen. In der Türkei nimmt die Diskriminierung immer mehr zu. Jeder ist wütend, jeder ist mit dem anderen verfeindet.

    Diesem Verlauf ein Ende zu setzten, ist die erste Aufgabe des Staates, der Regierung, der Opposition und der Politik.

    Die zivile Dialoginitiative macht auf diese Gefahr aufmerksam.

    Das Entstehen von Gefühlen wie Wut, Distanz und Feindseligkeit im Unterbewusstsein der Menschen durch die Worte „Kurde und Türke“ kann nicht allein mit reden verhindert werden.

    Dialog erfordert Mühe.

    Das Jahr 2007 kann für uns ein Jahr der Gelegenheit werden. Die Wahlen sind eine große Chance für die Parteien, sich der vordringlichsten Frage der Türkei zu stellen. Wenn wir nicht in die populistische Falle der Wahlen gehen, könnten wir gemeinsam die pessimistischen Erwartungen des Jahres 2007 ins Gegenteil verkehren.“ (Hürriyet)