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Auszüge aus den politischen und wirtschaftlichen Nachrichten der türkischen Presse  

20.10.2006
  • TAN: „DIE BEKÄMPFUNG DER PKK IST EURE AUFGABE“
  • „BESEITIGUNG DES TERRORS KANN NICHT VERSCHOBEN WERDEN“
  • „AM SELBEN PROJEKT WIE DIE TERRORISTEN“
  • ZYPERN-FEILSCHEN IN ATHEN
  • CHRISTOFIAS: „DIE EU NUTZT UNS AUS“
  • BESUCH VON RALSTON BEI TALABANI
  • NEUE REGELUNG NACH DEM WUNSCH DES VOLKES
  • 3 EIGENTUMSRÜCKGABEN, 6 ENTSCHÄDIGUNGEN AN ZYPERNGRIECHEN


  • KOMMENTAR DES TAGES:

  • EINE AUSSTELLUNG IN PARIS



  • TAN: „DIE BEKÄMPFUNG DER PKK IST EURE AUFGABE“

    Der Sprecher des Außenministeriums Namýk Tan sagte auf die Worte vom irakischen Außenminister Zebari, der Irak könne nicht gegen die PKK kämpfen: „Die Bekämpfung der PKK zählt zu den Verpflichtungen der irakischen Regierung. Der Irak darf vor seiner Verpflichtung nicht zurückweichen. Die Frage der inneren Sicherheit im Irak verfolgen wir aus der Nähe. Da im Irak die Ordnung noch nicht zur Gänze hergestellt worden ist, konnten die Probleme nicht beseitigt werden. Aber als Nachbar der Türkei und ein Teil der internationalen Gemeinschaft hat der Irak beim Kampf gegen den Terror Verpflichtungen, denen er sich nicht entziehen kann. Wir erwarten von der irakischen Regierung entschlossene und konkrete Schritte.“ (Türkiye)

    „BESEITIGUNG DES TERRORS KANN NICHT VERSCHOBEN WERDEN“

    Der ehemalige General Edip Baþer, Koordinator zur Bekämpfung des Terrors, sagte: „Die Beendigung der Präsenz der Terrororganisation PKK im Nordirak wird aus Sicht der nationalen Sicherheit der Türkei als eine nicht verschiebbare Notwendigkeit und Dringlichkeit bewertet.“

    Auf einer vom Forschungszentrum für Euroasiatische Strategien veranstalteten Sitzung nahmen Baþer und Joseph Ralston, der amerikanische Koordinator zur Bekämpfung des Terrors, teil. Militärische Operationen und Aktionen stünden unter operationellen Alternativen, betonte Baþer und sagte: „Niemand darf von der Türkei erwarten, dass sie mit der Organisation direkt oder indirekt, offen oder verdeckt verhandelt. Falls der neue Zusammenarbeitsprozess keine befriedigenden Ergebnisse bringen sollte, ist eine militärische Machtausübung unvermeidbar.“

    Auch Ralston erklärte, dass die USA zu allen Zeiten an der Seite der Türkei gestanden sei und sagte: „Die USA sehen die PKK als eine Terrororganisation. Wir helfen jedem, der gegen die PKK kämpft. Wir versuchen, die logistische und finanzielle Unterstützung für die PKK zu unterbrechen. Es werden konkrete Ergebnisse verlangt. In der Außenpolitik der USA ist die PKK kein Mittel, sondern eine Terrororganisation. Manche sind der gegensätzlichen Ansicht. Aber das stimmt nicht. Wir haben sie weder im Irak noch anderswo unterstützt und werden es niemals tun. Wir haben eine militärische Alternative, die aber als letzte Möglichkeit angesehen werden muss.“ (Türkiye)

    „AM SELBEN PROJEKT WIE DIE TERRORISTEN“

    Oppositionsführer Deniz Baykal empfing gestern Vorsitzende einiger Gewerkschaften und sagte dabei, dass die Türkei einem ernsten Terrorproblem gegenüberstehe. Es wäre ein Fehler, dieses Problem zu übersehen, es zu verdecken oder davon abzulenken.

    Baykal kritisierte den Bürgermeister von Diyarbakýr, Osman Baydemir, der vorgestern im Europaparlament sprach: „Zum ersten Mal hat ein Bürgermeister der Türkei auf einem europäischen Forum gesagt, dass Erdölreichtümer und Hydroenergiequellen Südostanatoliens unter der Kontrolle der dortigen lokalen Verwaltung stehen müssen und diese Verwaltungen diese Quellen selbst nutzen sollen. Dies sagt ein Politiker, nicht ein Terrorist auf dem Berg. Damit wurde noch einmal deutlich, dass der Terrorist auf dem Berg und der Politiker in der Stadt am selben politischen Projekt arbeiten. Diese Sache zu übersehen und zu versuchen, den Vorfall auf andere Foren zu lenken, ist nicht richtig.“

    „Man muss vorsichtig sein. Man sollte jenen, die den Terror zu beseitigen versuchen, nicht die Hände binden. Die EU auf einer Seite, die Nordiraker und einige Träumer im Inland ebenfalls auf einer Seite und die Initiativen der USA auf einer anderen Seite der Sache… All diese stellen ein internationales Spiel auf die Bühne“.

    Auch der Koordinator zur Bekämpfung des Terrors, Baþer, sagte über die Bürgermeister in Südostanatolien, die die PKK unterstützen sollen: „Die Türkische Republik ist ein Rechtsstaat. Darüber werden die Rechtsorgane entscheiden. Aber ich persönlich würde ihren Rücktritt fordern.“ (Milliyet/Hürriyet)

    ZYPERN-FEILSCHEN IN ATHEN

    Die Beziehungen zwischen der Türkei und der EU betreffend Zypern wurden bei den einzelnen Gesprächen in Athen zwischen Staatsminister und Verhandlungsführer Ali Babacan, der griechischen Außenministerin Dora Bakogianni und dem EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn auf den Tisch gelegt. Die Seiten waren über die negativen Auswirkungen eines Zugunglücks bis zum Ende dieses Jahres einig, aber von keiner Seite kam ein Zugeständnis, damit das Zugunglück verhindert wird.

    Obwohl Babacan zum Ausdruck brachte, dass man die Hoffnung auf eine provisorische Lösung nicht aufgeben dürfe, musste er in seiner Bezugnahme auf den Vorschlag Finnlands sagen: „Finnland ist derzeitiger Ratspräsident von 25 EU-Ländern, zu denen auch Südzypern gehört. Von einer EU, zu deren Mitgliedern Südzypern zählt, kann man kaum erwarten, dass sie vollständig neutral bleibt.“

    Andererseits machte Bakogianni keinen Rückschritt in der Forderung gegenüber Ankara beim Thema Aufhebung der Isolationen.

    Und Olli Rehn sagte: „Wir müssen uns auf den finnischen Vorschlag konzentrieren, denn die Alternativen, die wir in der Hand haben, sind eine Reihe von schlechten Alternativen. Wir müssen uns gegenüber der Türkei sowohl gerecht als auch entschlossen verhalten.“ (Hürriyet)

    CHRISTOFIAS: „DIE EU NUTZT UNS AUS“

    Der Parlamentspräsident der zyperngriechischen Führung Dimitris Christofias, der die EU-Länder beschuldigte, sich hinter Südzypern zu verstecken, sagte: „Wenn sie bei der Mitgliedschaftsperspektive der Türkei Probleme schaffen wollen, werfen sie den Ball uns zu.“

    Christofias erklärte gegenüber einem zyperngriechischen Radiosender: „Die EU kann nicht jedes Mal, wenn sie sich verteidigen muss, Südzypern mit dem Vetodilemma konfrontieren. Vom Vetorecht Gebrauch zu machen, ist für Südzypern nicht gut, denn es wird dann beschuldigt, seine EU-Mitgliedschaft zu missbrauchen.“

    (Cumhuriyet)

    BESUCH VON RALSTON BEI TALABANI

    Der ehemalige General Joseph W. Ralston, Sondervertreter der USA im Kampf gegen die PKK, hat in der irakischen Hauptstadt Bagdad mit Staatspräsident Dschalal Talabani ein Gespräch über die Terrororganisation PKK geführt.

    Laut Nachrichten des mit Talabani verbundenen ‚Kurd-Sat’-Fernsehens habe Ralston am Ende seiner Kontakte übermittelt, was die Türkei im Thema Kampf gegen den PKK-Terror von der Regierung in Bagdad erwartet. (Milliyet)

    NEUE REGELUNG NACH DEM WUNSCH DES VOLKES

    Die Freilassung solcher, die sich des Diebstahls, Raubes oder Überfalls schuldig gemacht haben, unmittelbar nachdem man sie gefasst hat, rief im Volk Entrüstung hervor und die Polizisten sowie Staatsanwälte wiesen auf die Lücken im Gesetz hin.

    Als Folge hat die Rechtskommission des Türkischen Parlaments eine Regelung getroffen, dass die Dauer der Haftstrafe jener, die sich der Plünderung, des Diebstahles, Raubes, Überfalls oder der vorsätzlichen Verletzung eines Menschen schuldig gemacht haben, je nach Beschluss bis zu eineinhalb Jahren verlängert werden kann. (Milliyet)

    3 EIGENTUMSRÜCKGABEN, 6 ENTSCHÄDIGUNGEN AN ZYPERNGRIECHEN

    Von 64 Anträgen, die bei der Kommission für Sachentschädigung der Türkischen Republik Nordzypern (TRNZ) gestellt wurden, wurden neun abgeschlossen. Bei drei von diesen neun wurde der Beschluss der Eigentumsrückgabe gefasst. Mit diesem Beschluss werden 3 verschiedene Besitze aus unterschiedlichen Regionen der TRNZ an ihre zyperngriechischen Besitzer zurückgegeben. In den anderen sechs Fällen wurde entschieden, dass den betreffenden Zyperngriechen eine Entschädigung gezahlt wird. Über den Betrag wurde keine Information gegeben. (Milliyet)

    KOMMENTAR DES TAGES:

    EINE AUSSTELLUNG IN PARIS

    Reise-Agenturen teilen mit, dass die Touren nach Frankreich nicht von der Boykott-Kampagne gegen dieses Land beeinträchtigt seien. Und das bedeutet, dass ein paar tausend Türken ihre Feiertage anlässlich des Ramadan-Festes in Paris verbringen werden. Auch wenn man jetzt die Romantik des Frühlings oder die relative Ruhe der Sommer-Monate nicht vorfindet, ist Paris auch zu dieser Zeit schön. Im Regen auf der Champs-Elysees zu bummeln, die für Weichnachten hergerichteten Schaufenster zu besichtigen, in einem der Restaurants-Schiffe unter dem Namen ‚Bateaumouche’ auf dem Fluss Seine in der Nacht, ein Weinglas in der Hand, die Magie der ‚Lichter-Stadt’ einzuatmen… Hübsche Frauen, wunderbare Restaurants, ‚Bistro’s’, Boutiquen…

    Für die Reisenden nach Paris haben wir einen Vorschlag: Nehmen Sie in ihr Programm das Museum ‚La Vie Romantique’ auf! Sie werden überrascht, denn im Museum gibt es eine interessante Ausstellung unter dem Namen ‚Fantomes d’Orient’, also ‚Gespenster des Orients’. Thema: Auszüge aus dem Leben von Pierre Loti (1850-1923).

    Die Ausstellung bietet eine gute Gelegenheit zur ‚Gedächtnisübung’, was heutzutage Mode ist: Bilder von Istanbul in den Jahren um 1900, Fotos und Versuche von Zeichnungen von Pierre Loti, Gegenstände, die er aus der Türkei mitgebracht hat, und außerdem Bücher von ihm, die nicht mehr gedruckt werden. Eines dieser Bücher heißt ‚Turque Agonisante’ (Türkische Agonie) und erzählt von den letzten Jahren der osmanischen Zeit. Ein anderes heißt ‚Les Massacres d’Armenie’ (Das Armenische Massaker). Diese Bücher werden nicht mehr gedruckt, nicht weil sie keiner lesen würde, sondern weil es kein Verlag wagt, diese Bücher zu drucken.

    Hier einige Paragraphen, um besser zu verstehen, warum sie nicht mehr gedruckt werden:

    „Es ist nicht leicht, unseren Menschen, die mit der vom Vater dem Sohn übertragenen Image ‚barbarischer Türke’ hypnotisiert sind, die Realitäten zu erzählen. Als ich wagte, zu sagen, dass nicht die Türken, sondern die Bulgaren in den Balkan-Kriegen Barbarei betrieben haben, war ich mit großen Beleidigungen und Drohungen konfrontiert. Auf meine Erklärungen gestützt auf die Berichte internationaler Delegationen aus den Kriegsgebieten wurde immer folgende Antwort gegeben: ‚Nein, diese Massaker können nur von Türken verübt worden sein. Die Türken schlachten ab, die Türken ermorden’.

    Ein weiteres Zitat: „Wir Franzosen haben das Saint Bartelemy-Massaker vergessen, auch Terreur (Massaker während der Französischen Revolution) und Commune (Pariser Aufstand). Spanien massakrierte die Juden. Diejenigen, die sich retten konnten, fanden Zuflucht in der Türkei. Dort wurden sie mit der großen Toleranz der Osmanen herzlich aufgenommen. Die Massaker unter den Christen auf dem Balkan dauern seit Jahrhunderten an. Orthodoxe, Katholiken, andere Konfessionen… Alle erwürgen sich gegenseitig. Und auch die Muslime. Aber im Westen sieht keiner diese Gräueltaten, denn für sie ist nur von Bedeutung, wenn die Türken morden. Und was das armenische Massaker betrifft… Immer wenn ich auf die Mitverantwortung der Armenier bei ihren Leiden hinweisen will, lässt man mich nicht sprechen, indem man sagt: ‚Du und deine Türken-Liebe!’ Über den Terror der armenischen Banden wollen sie nichts wissen.“

    Genau an dieser Stelle des Buches mit dem Titel ‚Das Armenische Massaker’ sind 17 Zeilen zensiert. Und zwar von der 1. Auflage an! (Insgesamt gab es 10 Auflagen).

    Die Ausstellung im Museum ‚La Vie Romantique’ gewann nach der Abstimmung im französischen Parlament auf einmal an Bedeutung. Denn die Armenier stiegen auf die Barrikaden und fragten: „Warum steht im Ausstellungskatalog keine Warnung, dass Loti ein Armenier-Feind war?“ Sie forderten, als Beispiel für die ‚Armenier-Phobi’ von Loti folgenden Satz von ihm hinzu zufügen: „Genauso wie sich ein Wurm durchs Obst frisst, saugen die Armenier in der Türkei dem Land das Blut aus“.

    Wie gesagt; eine sehr interessante Ausstellung. Hier die Adresse des Museums: Chaptel-Strasse Nr.16 im 9. Bezirk, 200 m entfernt vom Nachtclub Moulin Rouge. Nach der Ausstellung ins Moulin Rouge! Keine schlechte Idee, nicht wahr? (SABAH)