GÜL BESUCHT DEUTSCHLAND
BAYKAL AUF DER SUCHE NACH ALTERNATIVETURKMENEN
RUFEN UM HILFEBEMÜHUNGEN FÜR DIE TÜRKISCHE
EU-MITGLIEDSCHAFTHEIMTÜCKISCHER PLAN IN KIRKUK
KOMMENTAR DES TAGES:
VORBEREITUNGEN ZUM
REFERENDUM IN KIRKUK (von Ferai TINÇ)
GÜL BESUCHT DEUTSCHLAND
Außenminister
Abdullah Gül reist morgen nach Deutschland, das derzeit die
EU-Ratspräsidentschaft innehat. Bei diesem zweitägigen Besuch wird Gül mit
seinem Amtskollegen Frank-Walter Steinmeier zusammenkommen.
Beim Gespräch
zwischen den beiden Außenministern wird es neben den bilateralen Beziehungen
zwischen Deutschland und der Türkei auch um die Türkei-EU-Beziehung gehen. Gül
wird dabei wohl seine Zufriedenheit über die Öffnung des Kapitels ‚Unternehmens-
und Industriepolitik' der Verhandlungen zum Ausdruck bringen, aber auch
erwähnen, dass man noch während der Ratspräsidentschaft Deutschlands die Öffnung
von vier weiteren Kapiteln erwarte.
Man vermutet, dass Gül während seines
Besuches auch die Beunruhigung der Türkei über die Erdölsuchaktionen der
zyperngriechischen Führung im östlichen Mittelmeer und über das mit Frankreich
unterzeichnete Verteidigungsabkommen übermitteln wird. Außerdem wird die Krise
zwischen England und dem Iran zur Sprache kommen. (Türkiye)
BAYKAL AUF DER SUCHE NACH ALTERNATIVE
Der Vorsitzende der
Republikanischen Volkspartei (CHP), Deniz Baykal, sagte in einem
Fernsehinterview, die CHP versuche, für die herannahenden allgemeinen Wahlen
eine Alternative zur derzeitigen Regierungspartei AKP (Gerechtigkeits- und
Entwicklungspartei), zu finden. Deshalb werde die CHP versuchen, alle
unentschlossenen Wähler und sowohl linke sowie rechte Wähler für die CHP zu
gewinnen.
Baykal erklärte auch, dass die Wahl des Staatspräsidenten mit
Einigung gelöst werden müsse, ohne das Land in eine Krise zu stürzen. (Türkiye)
TURKMENEN RUFEN UM HILFE
Der turkmenische Abgeordnete im irakischen
Parlament, Fevzi Ekrem, sagte, dass sie die Entscheidung der Kommission über den
Status von Kirkuk nicht akzeptierten.
Ekrem wies darauf hin, dass die
Turkmenen in Kirkuk und anderen Regionen mit Gewalt gezwungen würden, ihre
Heimat zu verlassen. Er erwähnte auch, die Turkmenen seien die einzige ethnische
Gruppe im Irak, die nicht bewaffnet ist. Ekrem erklärte: "Wir wollen unsere
Rechte mit Politik und Demokratie verteidigen." Die irakischen Turkmenen
erhofften sich Hilfe von der Türkei, von Aserbaidschan und anderen türkischen
Republiken, fügte er hinzu. (Türkiye)
BEMÜHUNGEN FÜR DIE TÜRKISCHE EU-MITGLIEDSCHAFT
Der ehemalige französische
Parlamentarier Albert Costi, der nach einer Sitzung in Shanghai Fragen
türkischer Journalisten beantwortete, wies darauf hin, dass er den
EU-Mitgliedschaftsprozess der Türkei bis zum Ende unterstütze. Er erklärte: "Ich
habe mich für die EU-Mitgliedschaft der Türkei wie ein Kämpfer eingesetzt, habe
einzeln mit einigen Senatoren und verschiedenen Politikern gesprochen. Ich
möchte, dass die Türkei der EU innerhalb kürzester Zeit beitritt."
Costi
betonte, dass die Türkei, wenn sie nicht müde wird, mit Erfolg aus dem
Verhandlungsprozess aussteigen werde. (Hürriyet)
HEIMTÜCKISCHER PLAN IN KIRKUK
Der irakische Justizminister Haschim
al-Schibli erklärte, die irakische Regierung habe begonnen, den am vergangenen
Donnerstag gefassten Beschluss, dass die zur Zeit Saddams in Kirkuk ansässig
gewordenen Araber in andere Gebiete übersiedeln sollen, unmittelbar
durchzuführen. Man vermutet, dass der Beschluss, gegen den die Araber und
Turkmenen heftig reagierten, infolge des Drucks der Peschmerga gefasst wurde.
Ein Zuständiger wies darauf hin, dass keiner dazu gezwungen werde, Kirkuk zu
verlassen. Laut Beschluss werden jene Araber, die sich nach 1968 in Kirkuk
niedergelassen haben, in ihre Herkunftsorte zurückkehren und dafür eine
Entschädigung von 15.000 Dollar erhalten. (Türkiye)
KOMMENTAR DES TAGES:
VORBEREITUNGEN ZUM
REFERENDUM IN KIRKUK (von Ferai TINÇ)
Der Beschluss der irakischen
Regierung beweist, dass in der Provinz Kirkuk die Vorstöße zur Änderung der
Bevölkerungsstruktur anhalten, obwohl nach der Einladung an Ministerpräsident
Recep Tayyip Erdoðan nach Kirkuk seitens des irakischen Staatspräsidenten
Dschelal Talabani noch nicht einmal eine Woche vergangen ist.
Wäre es denn
überhaupt sinnvoll, der Einladung von Talabani zu folgen und eine Delegation
nach Kirkuk zu entsenden?
Laut Regierungsbeschluss, ohne Bestätigung des
Parlaments, wird den Arabern, die zur Zeit Saddams in die Provinz Kirkuk
gebracht worden sind, zur Förderung der Rückkehr an ihre alten Wohnorte 15.000
Dollar, sowie Grund und Boden geboten.
Ein Zuständiger interpretiert
diesen Beschluss, der zum Rücktritt des Justizministers geführt hat,
folgendermaßen: "Jeder kann, aber nur, wenn er es auch selbst will, an seinen
alten Wohnort zurückkehren", aber die Vertreter von Turkmenen und Arabern sind
ganz anderer Meinung.
Auch die Erklärungen, dass sich zahlreiche Familien
zum Ausfüllung der Formulare für die Rückkehr gemeldet haben, beweisen, dass vor
dem Referendum in Kirkuk eine zweite große Bevölkerungsbewegung stattfinden
wird.
Ob zwangsmäßig oder mit Geld- und Bodenversprechen, am Ende haben
sich die Kurden und Schiiten in der Regierung von Maliki geeinigt, die
Bevölkerungsstruktur von Kirkuk zu ändern.
ERSTER SCHRITT DES
PROZESSES
Die Antwort auf die sunnitischen und schiitischen Araber,
die gegen den Beschluss sind, lautet, dass der Beschluss der Verfassung
entspricht.
Paragraph 146 der irakischen Verfassung sieht ein Referendum
im Dezember dieses Jahres in Kirkuk vor, das das Schicksal der Provinz bestimmen
wird.
Aber dafür gibt es zwei Bedingungen: Gewährleistung der Stabilität
und Abhalten einer Volkszählung.
Dieser Beschluss ist der erste Schritt
für eine Volkszählung, nämlich eine Maßnahme der Regierung zur Herstellung der
Stabilität.
Das Referendum mit der neuen kurdischen Bevölkerung, die
nach dem Wegziehen der Araber wieder in Kirkuk ansässig werden wird, wird wie
vorgesehen Ende Dezember stattfinden.
Was wird wohl auf diesem Referendum
gefragt werden? Dieser Punkt ist sehr wichtig. Ankara ist dafür, dass diese
Frage von allen Bevölkerungsgruppen im Irak mit Einigung bestimmt wird. Aber wie
ich sehe, steht dies weder auf der Tagesordnung der USA noch der
Maliki-Regierung.
TURKMENEN UND ASSYRER WOLLEN AUTONOMIE
Die irakischen Turkmenen und Assyrer haben als Iraker eine internationale
Kampagne für gleiche Rechte gestartet. Die irakischen Turkmenen waren in der
vergangenen Woche im Europaparlament.
So haben die Europäer auch aus dem
Munde der Turkmenen erfahren können, dass Kirkuk im Irak: der Ausgangspunkt für
eine neue Instabilität wird.
Inzwischen tragen die irakischen Assyrer
ihre Sorgen dem US-Kongress vor. Sie erzählen, dass man sie im Nordirak als
christliche Kurden bezeichnet und ihnen nicht erlaubt, ihre Sprache zu sprechen
Die Assyrer fassten ihre Situation kurz folgendermaßen zusammen: "Nicht einmal
Dschingis Khan hat uns so behandelt. Wir werden aus unseren Dörfern und Häusern
verjagt. Obwohl wir seit alters her auf diesen Territorien leben, wollen die
Kurden uns aus unserem Vaterland vertreiben. Wenn man heute die Assyrer, die in
irgendeiner Ecke des Irak leben, fragen würde, ob sie jetzt in besseren
Verhältnissen leben als zur Zeit Saddams, so werden alle mit ‚Nein' antworten".
Die Forderung der beiden Gruppen ist auf eine Autonomie ausgerichtet.
Die
beiden Gruppen des Irak, die sich in einem geteilten Irak um ihre Lebensrechte
sorgen, sind für sich selbst auf der Suche nach einer Alternative. (Hürriyet)