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Auszüge aus den politischen und wirtschaftlichen Nachrichten der türkischen Presse  

04.04.2007
  • GÜL: “DEUTSCHLAND HAT UNS IMMER UNTERSTÜTZT”
  • FESTIGUNG DER FREUNDSCHAFT MIT SYRIEN
  • PIERINI: „ARTIKEL 301 IST DER SCHLÜSSEL ZUR EU“
  • YILMAZ: „KEINE TENDENZ ZU EINER KRISE IN DER WIRTSCHAFT“
  • SARKOZY: „Trıtt DIE TÜRKEI der EU beı, DANN STIRBT DIE EU-IDENTITÄT“


  • KOMMENTAR DES TAGES:

  • “KOMMT, LASST UNS NICHT MEHR EINE GENERATION ZUM HASS ERZIEHEN” (Mehmet Ali BİRAND)



  • GÜL: “DEUTSCHLAND HAT UNS IMMER UNTERSTÜTZT”

    Außenminister und stellvertretender Ministerpräsident Abdullah Gül, der gestern in die deutsche Hauptstadt Berlin gekommen war, sagte, dass Deutschland die Türkei in ihrer Beziehung zur EU immer unterstützt habe.

    In der gemeinsamen Pressekonferenz nach dem Gespräch mit dem deutschen Außenminister Frank-Walter Steinmeier wies Gül darauf hin, dass in den Verhandlungen zwischen der Türkei und der EU mit einem zweiten Kapitel begonnen wurde, dass die Türkei aber noch in diesem Jahr auf die Öffnung weiterer Kapitel hoffe. „Wenn es um die Türkei-EU-Beziehungen geht, beobachten wir die Unterstützung Deutschlands, eines wichtigen Zugpferdes Europas, mit großer Dankbarkeit und Anerkennung.

    Gül brachte zum Ausdruck, dass die Beziehung zwischen der Türkei und Deutschland nicht irgendeine Beziehung, sondern eine tiefe und vielseitige sei, wobei er auf die Dimension der Politik, der Sicherheit, der Wirtschaft und Kultur aufmerksam machte und erwähnte, dass das derzeitige Außenhandelsvolumen zwischen den beiden Ländern 20 Mrd Euro erreicht habe.

    Auch Steinmeier erinnerte an die Öffnung eines neuen Kapitels in den Türkei-EU-Verhandlungen und sagte: „Wir haben in der Türkei-EU-Beziehung einen vernünftigen Entschluss gefasst. Trotz Nichtanwendung des Zusatzprotokolls seitens Ankaras gehen die Verhandlungen weiter.“ (Türkiye)

    FESTIGUNG DER FREUNDSCHAFT MIT SYRIEN

    Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan, der anlässlich der Eröffnung des Aleppo Stadions nach Syrien gereist war, wurde gestern vom syrischen Staatschef Baschar Al-Assad empfangen.

    Die beiden Führer nahmen die Themen Lösung des Israel-Palästina-Konflikts, Entwicklungen im Irak und die Gefangennahme der 15 englischen Soldaten im Iran in die Hand. Sie bewerteten auch die erforderlichen Schritte zur Gewährleistung der Stabilität im Libanon. Erdoğan betonte, in dem Gebiet müsse man die Einstellung haben, Freunde zu gewinnen, statt sich Feinde zu schaffen. Al-Assad seinerseits erklärte, dass sie bereit seien, in jeglicher Weise zu einem gerechten und dauerhaften Frieden beizutragen.

    Energieminister Hilmi Güler, der Erdoğan bei seinem Syrien-Besuch begleitete, gab am Flughafen in Aleppo bekannt, dass sie gekommen seien, um zur Festigung der Freundschaft mit Syrien einen Staudamm am Fluss Asi zu errichten. Güler sagte, dass sie einige Gespräche über die Zusammenarbeit in den Bereichen Energie, Wasser und Erdgas führen werden. (Hürriyet)

    PIERINI: „ARTIKEL 301 IST DER SCHLÜSSEL ZUR EU“

    Türkei-Vertreter der EU-Kommission, Botschafter Marc Pierini, sagte gestern in einem Interview mit der türkischen Zeitung ‚Milliyet’, er sei sich dessen bewusst, dass der Glaube der Türkei an die EU abgenommen hat, aber die Tatsache, die zählt, sei, dass die EU-Verhandlungen fortgesetzt werden.

    „Der Artikel 301 ist nur eines der Themen im Rahmen der Meinungsfreiheit. Deshalb erwartet man eine Reihe von Reformen. Aber die Reform der Gesetze ist eine Sache, die Reform der Umsetzung eine andere. Wir erwarten eben in beiden Bereichen eine Reform. Der Artikel 301 hat für die Verhandlungen anderer Themen eine Schlüsselfunktion“, sagte Pierini.

    Auf die Frage, ob sich die EU aufgrund des Artikels 301 verantwortlich fühle, antwortete Pierini: „Es wird hier nicht diskutiert, wer verantwortlich ist, sondern welchen Weg die Türkei nimmt. In der Türkei herrscht Demokratie, aber in bestimmten Bereichen gibt es Lücken. Die Meinungsfreiheit ist einer dieser Bereiche. Aber das ist ein Thema, das nicht zwischen der EU und der Türkei, sondern innerhalb der Türkei selbst diskutiert werden muss.“ (Milliyet)

    YILMAZ: „KEINE TENDENZ ZU EINER KRISE IN DER WIRTSCHAFT“

    Zentralbankpräsident Durmuş Yılmaz, der auf den Reformprozess der Türkei in den letzten fünf Jahren hinwies, sagte: „Diese strukturellen Reformen haben die makrowirtschaftliche und finanzielle Stabilität sowie die Widerstandsfähigkeit unserer Wirtschaft gegen Erschütterungen von außen erhöht. Nun ist die Türkei nicht länger ein Land, dessen Wirtschaft dazu tendiert, in eine Krise zu geraten.“

    Yılmaz wies darauf hin, dass sich die Türkei fernerhin auf strukturelle und Mikroreformen konzentrieren müsse. (Hürriyet)

    SARKOZY: „Trıtt DIE TÜRKEI der EU beı, DANN STIRBT DIE EU-IDENTITÄT“

    Der Kandidat der Rechten für die Staatspräsidentenwahl in Frankreich, Nicolas Sarkozy, schrieb in seinem neuen Buch „Ensemble“ (Gemeinsam), dass die EU-Erweiterung den gemeinsamen Willen Europas’ schwächen würde und unüberwindbare Hindernisse für die politische Integration aufbaue. Er behauptete, dass der Beitritt der Türkei zur EU den Integrationsgedanken Europas stören werde. Er ging sogar so weit, zu behaupten, dass eine solche Entwicklung der Identität Europas den Todesstoss versetzen werde. (Milliyet)

    KOMMENTAR DES TAGES:

    “KOMMT, LASST UNS NICHT MEHR EINE GENERATION ZUM HASS ERZIEHEN” (Mehmet Ali BİRAND)

    Griechenland hat mit einem historischen Schritt begonnen, um die Schulbücher von überspitzten Beschreibungen in Bezug auf das Image „schlechter Türke“ zu säubern. Allerdings reagierten die Nationalisten scharf dagegen. Wogegen stellten sich die griechischen Nationalisten?

    Zu Beginn der Woche las ich, dass die griechische Regierung auf ihren Vorstoß zur Änderung des Images „schlechter Türke“ in den Geschichtsbüchern für die 6. Klasse aufgrund der Reaktionen verzichtet hat, was ich sehr bedauerte.

    Seit langer Zeit, noch bevor wir Schritte setzten, ergriff die griechische Regierung Maßnahmen zur Änderung ihrer Beschreibungen in den Geschichtsbüchern „Der Türke, eine Bestie“. Der erste Schritt dazu sollte in den Geschichtsbüchern der Grundschule getan werden. Die Sätze, in denen die Türken wie Monster geschildert werden, sollten gestrichen werden. Zwar sollten die Ereignisse dargelegt, aber die Türken nicht übertrieben angeschwärzt werden. Der griechische Befreiungskrieg, die Niederlage nach der Besetzung von Anatolien und Izmir, der Brand von Izmir und die Ereignisse auf Zypern sollten noch vorsichtiger berichtet werden. Am Ende hat man die geplanten Änderungen vorgenommen. Daraufhin ging die Hölle los.

    Als erstes stellte sich die Kirche dagegen, was verständlich ist. Denn die Kirche ist sehr konservativ und eine Institution, die ihre Anhänger durch Feindseligkeit gegen die Türken nährt. Dann kamen die Nationalisten und die Lehrer dazu. Was mich sehr erstaunte, war die Teilnahme jener an dieser Kampagne, die wir als „Intellektuelle“ kennen, wie z.B. Mikis Theodorakis.

    Eigentlich ist uns diese Sichtweise nicht fremd. Denn auch wir haben die gleichen Reaktionen in anderen Themen erlebt.

    Wogegen richteten sich die Reaktionen in Griechenland:

    1- Nicht alle Helden des griechischen Befreiungskrieges werden aufgezählt.

    2- Die Geistlichen, die gegen die Türken kämpften, werden nicht erwähnt.

    3- Die Siege der Griechen gegenüber den Türken werden übersehen.

    4- Es gibt keine Zeugen für Massenvernichtung von Griechen. Was die Griechen in Izmir durchmachen mussten, wird nicht erwähnt.

    5- Es wird von der Teilung der Insel Zypern gesprochen, aber nicht von der Besetzung Zyperns durch die Türkei.

    Natürlich sind nicht alle Griechen derselben Meinung. Es gab auch vernünftige Stimmen. Z.B. der Leiter des Rates für Nationale Bildung, Prof. Thanos Veremis. „Ich kann den Grund, warum die Türken immer schlecht und wie ein Monster dargestellt werden, nicht verstehen. Wenn alle Türken Bestien wären, würden sie sich gegenseitig umbringen. Die Osmanen lebten 400 Jahre“. Auch betonte Veremis, dass die Griechen während des Befreiungskrieges in der Stadt Tripoli keinen Stein auf dem anderen gelassen haben und fragte: „Es gibt überall Bestien. Vergessen wir eigentlich, was wir getan haben? Warum reden wir nicht über unsere Ausschreitungen in Kleinasien?“

    Ich unterstütze Veremis von ganzem Herzen.

    Weder wir noch die Griechen konnten etwas erreichen, indem wir unsere Generationen zu vollem Hass erzogen. Wir haben uns gegenseitig schlecht gemacht und unsere Jugend mit überspitzten Slogans und Klischees gefüttert. Keiner hat dabei etwas gewonnen.

    Sowohl Griechenland als auch die Türkei sollten nun auf Gehirnwäsche der Kinder und Jugendlichen verzichten, sonst hat die Sache nie ein Ende. (Hürriyet)