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Auszüge aus den politischen und wirtschaftlichen Nachrichten der türkischen Presse  

09.04.2007
  • 9 SOLDATEN IN ZWEI TAGEN UMS LEBEN GEKOMMEN
  • SPANNUNG IN ANKARA WEGEN BARSANIS DROHUNG
  • SARAFIAN: „DIE ERÖFFNUNG AKDAMARS IST EIN FRIEDENSANGEBOT“
  • PRINZ ALBERT IN ISTANBUL
  • ERFOLG DER TÜRKISCHEN CHOR IN UNGARN


  • KOMMENTAR DES TAGES:

  • WAS FÜR EINE ABSICHT VERFOLGT BARSANI? (von Semih IDIZ)



  • 9 SOLDATEN IN ZWEI TAGEN UMS LEBEN GEKOMMEN

    Während die Türkei zwei Soldaten beerdigte, die in einer Minenfalle in Bitlis ums Leben gekommen waren, kam die erschütternde Nachricht über 7 weitere gefallene Soldaten von Şırnak, Bitlis und Bingöl.

    Generalstabschef Yaşar Büyükanıt, Verteidigungsminister Vecdi Gönül, Kommandant der Landstreitkräfte Ilker Başbuğ, Kommandant der Seestreitkräfte Yener Karahanoğlu, Gendarmerie-Kommandant Işık Koşaner, der Gouverneur von Ankara, Kemal Önal, Abgeordnete sowie viele Mitbürger haben an der Beerdigung des Gefallenen Sertaç Uzun in Ankara teilgenommen. (Türkiye)

    SPANNUNG IN ANKARA WEGEN BARSANIS DROHUNG

    Die Worte des kurdischen Führers Massud Barsani, der mit Einmischung in die Probleme von Diyarbakır und anderer Städte drohte, falls sich die Türkei in Kirkuk einmischen würde, sorgten für Spannung in Ankara. Ein Zuständiger im Außenministerium erklärte, Barsani zünde das Dynamit, auf dem er selbst sitzt. Der stellvertretende AKP-Vorsitzende Dengir Mir Mehmet Fırat brachte zum Ausdruck: „Wir werden uns den Inhalt der Rede Barsanis anschauen und eine entsprechende Antwort geben.“

    Andererseits kritisierten die Oppositionsführer die Regierung scharf, weil diese auf Barsani kaum reagierte.

    Man vermutet, hinter den Worten Barsanis stecken Hinweise darauf, dass die USA die Empfindlichkeit der Türkei in Bezug auf Kirkuk in jüngster Zeit ernst nehmen. Denn infolge der türkischen Initiativen nimmt der Druck auf Barsani zu, damit das Referendum in Kirkuk nicht stattfindet. (Milliyet-Cumhuriyet)

    SARAFIAN: „DIE ERÖFFNUNG AKDAMARS IST EIN FRIEDENSANGEBOT“

    Der armenische Historiker und Generaldirektor des Gomidas-Instituts, Ara Sarafian, bewertete die Eröffnung der Kirche auf der Insel Akdamar im Vansee am 29. März als ein Friedensangebot und sagte: „Sowohl türkische als auch armenische extreme Nationalisten haben die Bedeutung der Eröffnung dieser Kirche nicht erfasst. Die Restaurierung und Eröffnung dieser Kirche ist ein bedeutendes Friedensangebot.“ Er wies darauf hin, dass sie ein äußerst wichtiger Schritt zum Kompromiss sei. (Hürriyet)

    PRINZ ALBERT IN ISTANBUL

    Prinz Albert II. von Monaco ist gestern nach Istanbul gekommen, um die Eröffnung des 38. Kongresses der ‚Mittelmeer-Wissenschaftskommission CIESM’ vorzunehmen, auf dem die Wirkung der globalen Erwärmung und der Umweltverschmutzung auf die Meere sowie andere Faktoren, die die Meere bedrohen, diskutiert werden.

    Prinz Albert II., Sohn der berühmten Schauspielerin Grace Kelly und Rainier III., hat die Leitung des CIESM, einer der bedeutendsten Institutionen der Welt im Hinblick auf Meereswissenschaften, inne.

    Der Prinz wurde vom Oberbürgermeister der Stadt Istanbul, Kadir Topbaş, empfangen. Dann nahm er an dem zu seinen Ehren vom Gastgeber des Kongresses, dem Verkehrsministerium und Staatssekretariat für Schifffahrt, gegebenen Mittagessen teil.

    An dem Kongress nehmen etwa 1000 Wissenschaftler aus 40 verschiedenen Ländern teil. (Hürriyet)

    ERFOLG DER TÜRKISCHEN CHOR IN UNGARN

    Das staatliche Konservatorium der Çukurova-Universität erzielte einen großen Erfolg durch das Belegen des zweiten Platzes in zwei Bereichen beim 11. Internationalen Chorfestival ‚Nemzetközi Korusverseny’ in Ungarn.

    Der ‚Adanus Chor’ des Konservatoriums nahm an dem Festival in Budapest mit 29 Sängern teil, 22 davon Studenten. Insgesamt standen 48 Chöre aus 20 verschiedenen Ländern miteinander in Konkurrenz. Der türkische Chor fand im Bereich Folklore und Klassik großen Anklang und erhielt viel Applaus im Konzertsaal mit 2000 Zuschauern. Voll Freude kehrt der Chor, der bei dem Festival die Türkei vertreten hat, mit 2 Silbermedaillen zurück. (Cumhuriyet)

    KOMMENTAR DES TAGES:

    WAS FÜR EINE ABSICHT VERFOLGT BARSANI? (von Semih IDIZ)

    Was bezweckt der Führer der Demokratischen Partei Kurdistans, Massud Barsani, mit seinen Worten, die quasi eine Rechtfertigung für die Kurden-Gegner sind? Wie kann er es übersehen, dass er mit seinen Erklärungen die irakischen Kurden, die zum ersten Mal eine Chance für eine stabile Entwicklung errungen haben, in eine Katastrophe führt?

    Kann Barsani so unfähig sein, dass er aus der Geschichte keine Lehre zieht? Wenn nicht, wem vertraut er? Den USA? Europa? Oder hat er eine große militärische Kraft erreicht, die wir übersehen haben und die das bestehende Gleichgewicht stört?

    Wäre ich ein vernünftig denkender Kurde, so würde ich mir in Anbetracht der Tatsachen und der internationalen Konjunktur diese Fragen stellen.

    Barsani kann nicht vergessen haben, wie die 1946 unter Führung der Sowjetischen Union gegründete „Republik Mahabad“, deren Generalstabschef sein eigener Vater war, in einer Nacht vom iranischen Scheich, der die USA und England hinter sich hatte, vernichtet wurde.

    Auch kann er nicht vergessen haben, wie die 1974 von Bagdad angenommene Selbstverwaltung für Kurden mit angeblicher Unterstützung der USA, Israels und des Iran, diesmal mit einer Vereinbarung zwischen Teheran und Bagdad 1975 - auch mit Bestätigung der USA - wieder in einer Nacht verdunstete.

    Die kurdischen Führer hatten immer einen Diskurs gehabt wie „Unabhängigkeit ist unser Recht, aber wir sind realistisch“. Die Worte von Barsani allerdings, die wir folgendermaßen kurz zusammenfassen: „Wenn die Türkei in Kirkuk eingreifen sollte, so werden wir die 30 Mio Kurden in der Türkei in Bewegung setzen und in Diyarbakır und anderen Städten eingreifen“, zeigen, dass er in einer Traumwelt lebt.

    Es ist wohl bekannt, dass Ankara bezüglich Kirkuk sensibel ist. Aber nicht nur die Türkei, auch die arabischen Länder in der Region sind sensibel in Bezug auf Kirkuk. Es ist auch richtig, dass aus einigen Kreisen in der Türkei militaristische Stimmen laut werden.

    Sowohl die Worte der Regierung als auch die des militärischen Flügels, dass ein militärischer Eingriff in die Stadt Kirkuk nur dann stattfinden wird, wenn die Turkmenen einem systematischen Massaker ausgesetzt werden, sind aufgezeichnet.

    Warum gießt Barsani trotz allem Öl ins Feuer und was erhofft er sich von seinen Drohungen, die nicht nur die Türkei, sondern auch den Iran und Syrien verunsichern?

    Meiner Meinung nach will er den Blutdruck hoch halten, denn die Sache läuft nicht entsprechend den Wünschen der Kurden. Wie wir schon früher erwähnt haben, ist der Baker-Hamilton-Bericht für Kurden eine „Balfour-Deklaration“.

    Sowohl dieser Bericht als auch der Kirkuk-Bericht, der von der Internationalen Krisen-Gruppe mit Sitz in Brüssel ausgearbeitet wurde, bestätigen die These der Kurden nicht. Dazu noch betont das Erdölgesetz, das mit Druck der USA angenommen wurde, dass das irakische Erdöl allen Irakern gehört.

    Damit übernimmt Barsani als Führer aller Kurden im Mittleren Osten nicht die Rolle eines „Versöhners“, sondern eines „Anstifters“. Er vermutet wohl, dass er seine politischen Wünsche durch Unruhestiften erfüllen kann.

    Aber das einzige, was ihm gelang, ist - wie wir oben erwähnten - den Kurden-Gegnern in die Hände zu spielen und die irakischen Kurden in eine Katastrophe zu stürzen. Und so etwas kann man nicht als „Führerschaft“ bezeichnen. (Milliyet)