ERDOĞAN: „MIT HASS HABEN WIR NICHTS ZU TUN“BARAK HEUTE IN ANKARATAUSENDE NEHMEN ABSCHIED VON DEN OPFERN DER BRANDKATASTROPHERUSSLAND: „DANN WIRD DIE EU AUCH TRNZ ANERKENNEN MÜSSEN“„MIT UNSERER ERFAHRUNG WERDEN WIR DIE KRISE ÜBERWINDEN“
KOMMENTAR DES TAGES:
DIE GARANTIE UNSERER ZUKUNFT IST DIE EU-PERSPEKTIVE (Semih IDIZ)
ERDOĞAN: „MIT HASS HABEN WIR NICHTS ZU TUN“
Ministerpräsident Recep Tayyip sprach gestern vor 16.000 Türken und türkischstämmigen Deutsche in Köln. Erdoğan lobte den Zusammenhalt in der türkischen Gemeinschaft: „Überall, wo wir hinkommen“, rief er aus, „gibt es nur Liebe und Freundschaft. Mit Hass und Gewalt haben wir nichts zu tun.“
Erdoğan bestärkte seine Zuhörer, die eigene Kultur, Religion und Identität zu bewahren, so wie sie es seit 47 Jahren in Deutschland getan hätten. Assimilierung sei ein „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“. Gleichwohl rief er die Türken auf, sich in Deutschland zu integrieren. Sie seien nicht vorübergehend hier. Deshalb sollten sie natürlich Türkisch lernen, aber ebenso Deutsch und andere Fremdsprachen. Auch in der Politik sollten sie mehr Einfluss nehmen. Die etwa fünf Millionen Türken in Europa außerhalb der Türkei „seien ein konstitutionelles Element und nicht nur Gäste“.
Erdoğan drängte auch noch einmal auf eine volle EU-Mitgliedschaft der Türkei. "Es gibt einige Länder, die unseren EU-Beitritt verhindern wollen. Die Türkei hat keine Alternative zur Vollmitgliedschaft." Eine privilegierte Partnerschaft, wie sie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) statt einer Vollmitgliedschaft anstrebt, lehnte Erdoğan ab. "Die Türkei wird ein solches Szenario nicht mitspielen", sagte er.
"Bitte verzögert diese Angelegenheit nicht mit fadenscheinigen Vorwänden." Seine Regierung werde auch Forderungen aus der Türkei nicht nachgeben, die Bemühungen um eine EU-Mitgliedschaft aufzugeben, weil sie gar nicht erstrebenswert sei. "Das werden wir nicht machen", sagte Erdoğan.
Erdogan forderte erneut eine rasche Aufklärung der Brandkatastrophe in Ludwigshafen. Dies sei nötig, damit Angehörige und Landsleute der Opfer, aber auch die deutsche Seite wieder beruhigt sein könnten. Die Türkei werde die Ermittlungen genau verfolgen. (Türkiye)
BARAK HEUTE IN ANKARA
Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak wird heute als offizieller Gast seines türkischen Amtskollegen Vecdi Gönül in Ankara eintreffen. Barak, der mit seinen offiziellen Kontakten morgen beginnen wird, wird von Staatspräsident Abdullah Gül, Parlamentspräsident Köksal Toptan und Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan empfangen. Bei dem Treffen mit Verteidigungsminister Gönül, Generalstabchef Yaşar Büyükanıt und Außenminister Ali Babacan wird überwiegend die Zusammenarbeit in der Verteidigung zwischen den beiden Ländern erörtert. (Türkiye)
TAUSENDE NEHMEN ABSCHIED VON DEN OPFERN DER BRANDKATASTROPHE
In einer Trauerfeier haben gestern mehrere tausend Menschen Abschied von den Opfern der Ludwigshafener Brandkatastrophe genommen. Neben deutschen und türkischen Politikern nahmen auch Vertreter der beiden christlichen Kirchen, sowie ein Vertreter der jüdischen Kirche an der Trauerfeier teil.
Staatsminister Mustafa Sait Yazicioglu übermittelte ein Grußwort von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan, der für eine Rede vor Landsleuten in Köln war. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer, übermittelte das Beileid von Bundeskanzlerin Angela Merkel und der Bundesregierung. Weitere Reden hielten unter anderem der Oppositionsführer Deniz Baykal, die Ludwigshafener Oberbürgermeisterin Eva Lohse sowie zahlreiche Vertreter der türkischen Gemeinden.
Die Leichen der neun Todesopfer der Brandkatastrophe von Ludwigshafen sind später in die Türkei geflogen worden. Sie werden heute in der Türkei beerdigt. Für die Bestattung sei ein Friedhof in der südosttürkischen Stadt Gaziantep vorgesehen, sagte ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung. (Hürriyet)
RUSSLAND: „DANN WIRD DIE EU AUCH TRNZ ANERKENNEN MÜSSEN“
Russland hat die Europäische Union erneut vor der Anerkennung eines unabhängigen Kosovo gewarnt. "Wir wollen im Rahmen des Völkerrechts bleiben und keinen Präzedenzfall schaffen", sagte der russische Vize-Ministerpräsident Sergej Ivanov gestern bei der Münchner Sicherheitskonferenz. "Wenn es zu einer einseitigen Unabhängigkeitserklärung kommt, wird das ein Präzedenzfall sein und die Büchse der Pandora öffnen." Ivanov verglich die Situation der bislang serbischen Provinz mit dem Streit um Nordzypern, das nur von der Türkei als souveräner Staat anerkannt wird. „Falls die NATO und die EU das Kosovo als unabhängig anerkennen, müssten sie das auch mit Nordzypern tun.“(Cumhuriyet)
„MIT UNSERER ERFAHRUNG WERDEN WIR DIE KRISE ÜBERWINDEN“
Staatsminister Kürşad Tüzmen erklärte, dass die Türkei durch ihre Erfahrung in den Krisen es geschafft habe, die jüngste globale Schwankung auf den Weltmärkten zu überwinden, ohne stark beeinträchtigt zu werden. „Krisen eine nach dem anderen in unserem Lande ließen uns im Thema Bereitschaft gegen Krisen und Ergreifen von Maßnahmen bewusst werden.“
Tüzmen brachte auch zum Ausdruck, dass die Türkei nicht direkt von der jüngsten Krise beeinflusst worden sei, da ihr Export nicht direkt von den USA abhängig sei. (Türkiye)
KOMMENTAR DES TAGES:
DIE GARANTIE UNSERER ZUKUNFT IST DIE EU-PERSPEKTIVE (Semih IDIZ)
Die Schlagzeile „Gefährliche Spaltung“ in der gestrigen Ausgabe der Zeitung Milliyet lässt und die Frage stellen: „Wohin gehen wir?“ und zwingt uns zum Nachdenken. Als Menschen, die die nahe Zukunft miterlebt haben, haben wir gesehen, dass die gesellschaftlichen Dynamiken in der Türkei immer für eine Spaltung funktionieren.
Dies erlebten wir erstens als ein Konflikt zwischen den Rechts- und Linkseingestellten, wovon niemand einen Nutzen gehabt hat. Danach entsprang die Kurden-Frage, deren blutige Folgen wir noch erleben. Und jetzt erleben wir sowohl in der laizistisch-gläubigen Achse als auch in der Achse Alewiten-Sunniten die gefährlichste dieser Spaltungen.
Kurz gesagt, wenn wir bisher eine demokratische und zivilisierte Gesellschaft, in der Rechte aller durch Gesetze unter Garantie stehen, nicht hervorbringen konnten, so sollten wir dessen Gründe erforschen. Aber dafür benötigt man eine rationelle Gedankenskapazität.
Wenn wir zurückblicken, so sehen wir, dass wir uns seit der Tanzimat-Zeit bis heute gegen Reformen gestellt und zur Bewahrung der bestehenden Ordnung gekämpft haben.
Die ‚Atatürk-Zeit’, die auf westliche Grundsätze basiert, ist die einzige reformistische Zeit der Türkei. Wer könnte es verleugnen, dass die Türkische Republik aus den Aschen des Osmanischen Reiches mit Grundsätzen aus dem Westen geschaffen ist? Wer könnte es verleugnen, dass die Lösung der bestehenden Fragen in den Reformen, die wir heute als die „Kriterien von Kopenhagen“ nennen, liegt?
Aber eine Schicht der Eliten, die die letzte Phase der Osmanen miterlebt hat, tendiert sich nach 85 Jahren zur Verleugnung der damaligen Zeit. Kurz gesagt, die Türkei entfernt sich mit der Zeit von den westlichen Werten.
Und aus diesem Grund nimmt die Bedeutung der Werte, die die Grundpfeiler unserer Republik bilden, ab. Das einzige Faktum, das diesen Gang enden wird, ist die EU-Perspektive.
Die Türkei geht in Richtung einer gefährlichen Teilung. Der Weg zur Verhinderung dieser und die größte Garantie für eine moderne sind die Werte der EU. (Milliyet)